Pfarrer Sebastian Kneipp

Pfarrer Sebastian Kneipp

„Doch soll der Mensch nicht bloß zu seinem Schöpfer flehen, um Gesundheit und ein langes Leben.
Sondern er soll auch seinen Geist gebrauchen, um die Schätze zu finden und zu haben, welche der allgeistige Vater in die Natur hineingelegt hat, als Hilfsmittel für die vielfachen Übel dieses Lebens.“

Quelle: Wikipedia Sebastian Kneipp – Selbsterstellter Scan aus Das grosse Kneippbuch von 1915.

Sebastian Kneipp und seine Lehre

Sebastian Kneipp (1821 – 1897) wurde als „Wasserdoktor“ berühmt und gilt heute als Begründer einer ganzheitlich orientierten Lebensweise sowie eines komplexen Naturheilverfahrens.

Während seines Theologiestudiums erkrankte Kneipp an einer schweren Tuberkulose. Er kurierte sich selbst mit der Heilkraft des kalten Wassers, indem er 2 – 3x wöchentlich in die eiskalte Donau tauchte. Anschließend marschierte er zurück und legte sich ins warme Bett. Damit hatte er genau richtig gehandelt – erwärmt durch den Fußmarsch, dann die kalte Anwendung, anschließend Wiedererwärmung durch den Rückmarsch und danach die Bettruhe. Zum Erstaunen der Ärzte wurde er wieder gesund. Diese Erfahrung bildete den Grundstein für seine Naturheillehre.

„Das Beste, was man gegen die Krankheit tun kann, ist etwas für die Gesundheit zu tun.“

In den letzten 100 Jahren ist die Lehre von Sebastian Kneipp durch Wissenschaft & Forschung ständig weiterentwickelt worden. Aus der ehemaligen Wasser- und Kräuterheilkunde entstand ein anerkanntes Naturheilverfahren, basierend auf den 5 Elementen der Kneipp-Lehre:

Das Kneipp-Wasserbecken im kubz Waldsassen

Die fünf Elemente nach Sebastian Kneipp:

1. Bewegung

Köperliche Arbeit oder zumindest Zimmergymnastik, so die Empfehlungen des Pfarrers Kneipp. Durch die Bewegung werden lästige Gase ausgeleitet, das Blut kommt in Wallung und wird den äußersten Körperteilen zugeführt. Die einzelnen Muskeln des Körpers werden geübt und gestärkt.2. Wasser

2. Wasser

Wasser ist die Basis der Kneipp’schen Therapie. Darunter versteht man sowohl Anwendungen mit kaltem, wie auch warmen Wasser oder Wechselanwendungen. Diese stärken das Immunsystem und beugen Krankheiten vor.

„Wo Medikamente wenig oder gar nichts vermögen, kann mit Wasser der beste Erfolg erzeilt werden. Es ist deshalb nur schade, dass man das Wasser und die Anwendung mit Wasser nur wenig kennt.“

Grundregeln bei Kneippanwendungen:

  • kaltes Wasser nie auf kalter Haut anwenden
  • jede Anwendung ist gleichzeitig eine Zuwendung
  • das Wasser nur abstreifen, nicht abtrocknen, danach warm anziehen
  • nach jeder Anwendung für Wiedererwärmung sorgen – durch Bewegung oder Bettwärme
  • mind. 1 Stunde Zeitabstand zu den Mahlzeiten oder starker körperlicher Belastung
  • zwischen zwei Anwendungen eine Pause von 2 – 4 Stunden lassen
  • nicht rauchen oder Alkohol trinken
  • nach den Anwendungen auf Ruhe und Entspannung achten
  • bei Wechselanwendungen zuerst warm (5 Minuten), dann kalt (10 Sekunden) wiederholen. Immer kalt enden!
  • warme Bäder sollten immer mit einer kühlen Anwendung (Waschung oder Guss) enden

Reiz – Reaktion – Regulation

Reiz = eine Veränderung der inneren oder äußeren Umgebung, die der Organismus wahrnimmt

Reaktion = eine Antwort auf einen erfolgten Reiz

Regulation = das harmonische Zusammenspiel zwischen Reiz und Reaktion sowie der verschiedenen Organsysteme untereinander

  • kleine Reize fördern
  • große Reize hemmen
  • größte Reize lähmen

Kneippanwendungen zur Steigerung der Abwehrkräfte:

a) Wassertreten (1 Minute im „Storchengang“ durch das etwa wadenhohe, kalte Wasser)

b) Tau laufen / Schneegehen (mit warmen (!) Füßen max. 5 Minuten im taufrischen Gras oder im Schnee laufen)

c) Barfußlaufen (täglich eine halbe Stunde)

d) Wickel & Kompressen (Waden-/Leberwickel, Blitzkompressen aus Quark, Heu, Lehm und ähterischen Ölen)

e) Sauna (Wechsel heiß-kalt-warm)

f) Waschungen & Güsse (kalt, herzfern beginnen und herznah enden)

3. Pflanzen & Heilkräuter

Für Pfarrer Kneipp war die Pflanzenheilkunde keine Alternative zur Hydrotherapie, sondern eine Ergänzung und Bereicherung. Heilpflanzen in Form von Tees, Bade- und Inhalationszusätzen oder als Auflagen und Wickel sollten die Wirkung des Wassers verstärken.

„gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen.“

4. Ernährung

Pfarrer Kneipp empfahl eine gesunde und natürliche Kost, um den Körper alle notwendigen Vitamine, Mineralien und Spurenelemente zuzuführen.

„der Weg zur Gesundheit führt durch die Küche, nicht durch die Apotheke.“

Reichlich: Getränke und pflanzliche Lebensmittel, Frischkost, Vollwertkost

mäßig: tierische Lebensmittel

sparsam: fett- und zuckerreiche Lebensmittel

5. Lebensordnung

Betrachtet wurde der Mensch von Pfarrer Kneipp immer als Einheit von Körper, Seele und Geist. Er war überzeugt, dass Lebensordnung und Lebensgestaltung wesentliche Faktoren sind, die zur Gesunderhaltung beitragen. Ständige Unterforderung schwächt den Organismus, dauernde Überforderung führt zur Erschöpfung. Jedes Zuviel und jedes Zuwenig sind schädlich!

„Erst als ich Ordnung in die Seelen der Menschen brachte, besserten sich auch die körperlichen Gebrechen.“

  • auf den Körper hören
  • für Ausgleich an Ruhe und Aktivität sorgen (Sympathikus/Parasympathikus)
  • Abschalten lernen
  • Zeit für sich nehmen
  • Balance zwischen Zuviel u. Zuwenig
  • gesundes Selbstwertgefühl

„Nur wer bemüht ist, sein eigenes Glück zu suchen, der ist auch anderen gerne behilflich dabei!“

Bewährte Heilkräuter nach Pfarrer Sebastian Kneipp:

1. Das Johanniskraut – natürliches Antibiotikum

Die Blüten des Johanniskrauts sind wie ein Abbild der Sonne. Paracelsus pries es sowohl als Wundkraut, als auch als Antidepressivum und als Frauenkraut an. Heute schätzt man vor allem die stimmungsaufhellende Wirkung. Es bringt Licht & Sonne ins Gemüt und wirkt wie eine Lichttherapie von Innen!

2.) Die Schafgarbe – Heil aller Welt

Das Wort „Garbe“ leitet sich von einem altdeutschen Wort ab und bedeutet „die Heilende“. Demnach vertraute man auf ihre heilende Wirkung bei fast allen Leiden. Sie enthält viele Mineralien, aktiviert den Stoffwechsel, ist entzündungshemmend und hilft bei Magen- und Darmstörungen wie auch bei wetterfühligen Kopfschmerzen und Nierenerkrankungen. Bewährt ist auch die „Jodtinktur der Wiesen“: Die Blätter werden zerrieben, bis der grüne Pflanzensaft austritt. Sofort auf die Wunde geben. Das ätherische Öl stillt die Blutung, verhindert die Entzündung und beschleunigt die Heilung.

3. Brennessel – die Mächtige

Die Brennessel wurde bereits in der Antike hoch gelobt und als Mittel gegen Gifte und Brennen eingesetzt. Sie wirkt positiv auf die Bodenverhältnisse und bringt das natürliche Gleichgewicht zurück. Nicht umsonst wächst sie an Stellen, wo der Mensch Abfall und Schutt hinterlässt. Auch im menschlichen Organismus sorgt sie für Ordnung. Gift & Schlackenstoffe werden durch ihre wassertreibende Wirkung ausgeschieden. Der Stoffwechsel wird angeregt und bei Erschöpfungszuständen und Anämie kann sie eine große Hilfe sein.

Im Vergleich zum Kopfsalat hat die Brennessel das 50fache an Eisen, das 30fache an Vitamin C, das 25fache an Magnesium, das 20fache an Vitamin A und das 14fache an Kalzium!

4.) Rosmarin – Tautropfen des Meeres

Rosmarin stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und galt auch als Fruchtbarkeitssymbol und als Symbol für die ewig grünende Liebe. Seine Wirkung ist anregend, konzentrationsverbessernd und durchblutungssteigernd. Pfarrer Kneipp ist oft mit einem Rosmarinzweig abgebildet.

5.) Lavendel – Blütenwunder des Südens

Lavendel ist ein echter Nasenschmeichler. Seit Jahrtausenden fasziniert er durch seine tiefblaue Farbe und sein intensives, harmonisches Aroma. Der Name leitet sich vom lateinischen Wort „lavare“ = waschen ab. Schon früh wurde der Lavendel nämlich in Bädern verwendet, denn der Duft lädt zum Entspannen und Träumen ein. Außerdem wird Lavendel geschätzt wegen seiner stimmungsaufhellenden und beruhigenden Wirkung.

Anja

Ernährungs- und Gesundheitscoach, Yoga- und Fitnesslover sowie Travel-Addicted

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