Die Risiken von Energydrinks und die große Frage: Sind sie verbotswürdig?
Mein kürzliches Radiointerview mit Gong96.3
Vor kurzem rief mich der Münchner Radiosender Gong96.3 an und fragte mich, ob ich spontan Zeit hätte, ein Telefoninterview durchzuführen. Ein aktueller Anlass für das Interview war die Entscheidung der britischen Regierung, den Verkauf von hochkoffeinhaltigen Energy Drinks an unter 16-Jährige in England ab April 2027 gesetzlich zu verbieten. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche besser vor den gesundheitlichen Risiken zu schützen.
Der Radiosender wollte hierzu eine Expertenmeinung veröffentlichen und da ich das Thema unheimlich wichtig und spannend zugleich finde, willigte ich gerne ein.
Wie stehe ich zu einem solchen Verbot?
Ich bin grundsätzlich kein Fan von Verboten. Wenn es jedoch um den Schutz von Kindern und Jugendlichen geht, sehe ich das anders. Aus meiner Sicht wäre eine vergleichbare Altersgrenze auch in Deutschland sinnvoll.
Warum? Kinder und Jugendliche reagieren deutlich empfindlicher auf Koffein als Erwachsene. Studien bringen einen regelmäßigen Konsum unter anderem mit Schlafstörungen, Nervosität, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Angstzuständen und Konzentrationsproblemen in Verbindung. Gleichzeitig werden Energy Drinks gezielt als Lifestyle-Produkt vermarktet und oft wie eine harmlose Limonade konsumiert.
Wie viel Koffein steckt eigentlich in einer Dose?
Eine klassische 250-ml-Dose enthält etwa 80 mg Koffein – also ungefähr so viel wie eine Tasse Kaffee. Eine große 500-ml-Dose kann sogar fast zwei Tassen Kaffee entsprechen.
Machen Energy Drinks süchtig?
Koffein kann bereits nach regelmäßigem Konsum zu einer Gewöhnung führen. Wer plötzlich darauf verzichtet, merkt das oft durch Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme. Deshalb gilt: Lieber gar nicht erst zur täglichen Gewohnheit werden lassen.
Studien zeigen:
- Bereits nach einigen Tagen bis wenigen Wochen regelmäßigem Konsum kann sich der Körper an Koffein gewöhnen.
- Bei täglicher Aufnahme passt sich das Nervensystem an: Die stimulierende Wirkung wird schwächer und man benötigt häufiger oder mehr Koffein, um denselben Effekt zu spüren.
Das bedeutet: Aus „eine Dose hilft mir beim Lernen“ kann relativ leicht ein Ritual werden:
„Ohne Energy Drink kann ich mich nicht konzentrieren.“
Was passiert bei regelmäßigem Konsum?
Koffein blockiert im Gehirn den Botenstoff Adenosin, der normalerweise Müdigkeit signalisiert. Der Körper reagiert darauf, indem er unter anderem mehr Adenosin-Rezeptoren bereitstellt.
Die Folge:
- Koffein wirkt weniger stark → man braucht mehr
- ohne Koffein fühlt man sich müder → man greift wieder dazu
Was ist die bessere Alternative?
Für Erwachsene können Kaffee, Matcha oder grüner Tee durchaus eine gute Alternative sein – natürlich ebenfalls in Maßen und gering dosiert. Für Kinder und Jugendliche gilt dagegen: Sie brauchen keinen Wachmacher, sondern ausreichend Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten, Bewegung und genügend Flüssigkeit.
Fazit:
„Der beste Wachmacher ist nicht der stärkste Reiz, sondern ein Körper, der gut versorgt ist.
Wer merkt, dass er ohne Energy Drink oder Kaffee kaum noch funktioniert, sollte nicht mit schlechtem Gewissen reagieren, sondern schrittweise reduzieren. Koffein abzusetzen ist meistens eine Gewohnheitssache. Wichtig ist aber auch, die Ursache der Müdigkeit zu finden – denn ein Getränk kann Energie nicht ersetzen, die dem Körper durch Schlaf, Ernährung oder Erholung fehlt.“


