Die Gegend um Tigray erschien im ersten Moment wenig aufregend. Das änderte sich schlagartig, als wir uns am Morgen aufmachten, drei von insgesamt 34 versteckten Felsenkirchen in den Bergen zu erklimmen!

Abuna Yemata Guh

Als erstes stand die Kirche „Abuna Yemata Guh“ auf dem Programm. Der anfängliche Aufstieg ist noch mit Schuhen möglich. Alle weiteren Abschnitte sind nur noch Barfuß zu bewältigen und definitiv nicht mehr für Menschen mit Höhenangst geeignet! Dieser steile Aufstieg verwandelt sich bald in einen Aufstieg mit Fußgriffen und Handgriffen, die durch den Durchgang vieler Hände und Füße in den Sandsteinfelsen geprägt wurden.

Der Aufstieg und der Spaziergang entlang sehr schmaler Felsvorsprünge mit steilen Gefällen zur Seite ist nichts für schwache Nerven! Den steilen Bergwänden hinauf, wird man von hilfsbereiten Guides unterstützt.

Die Aussicht ist jedes Mal spektakulär! Auf dem Weg finden sich kleine Höhlen, manche davon sogar noch mit Schädeln und Knochen – nicht etwa von Wanderern, die bei dem schweißtreibenden Aufstieg aufgegeben haben?! Nein, so versicherte man uns: Bis jetzt sei noch nie etwas passiert!

Und das, wo regelmäßig Einheimische den steilen Kletterweg hinauf gehen, um die wöchentlich stattfindenden Gottesdienste, die ganze 5 Stunden dauern, zu besuchen. Die Besucher müssen mangels Platz in den kleinen Kapellen dabei nicht selten auf den engen Felsabschnitten verharren.

Die Kirche „Abuna Yemata Guh“ wird erreicht, in dem man auf einen Meter breiten Felsvorsprung hinausgeht und nach 200m rechts eine Höhle betritt. Am Eingang gibt es eine in den Felsen gebaute Holztür. Die Kirche selbst besticht durch bunte Bemalungen aus dem 7. Jahrhundert und durch ihre einzigartige versteckte Lage in den Felsen. Sie blieb in all den Jahren unentdeckt und deshalb unzerstört.

Der Mönch erwartete uns bereits

Die Mönche machen sich meist schon am Vorabend bei Sonnenuntergang auf den Weg nach oben, übernachten in der Kapelle und bereiten sich ab 04:00 Uhr morgens auf die Zeremonie vor.

„Maryam Korkor“ & „Daniel Korkor“

Ähnlich ist es bei den Kirchen „Maryam Korkor“ und „Daniel Korkor“. Sie sind vom Stil her sehr unterschiedlich, aber auf ihre Weise atemberaubend schön.

Die Aussicht auf dem Weg zu Maryam und Daniel Korkor ist wieder gigantisch! Die Sonne stand bereits tief und tauchte die Landschaft in ein warmes Licht.

Von Maryam Korkor ist die architektonisch beeindruckendste Kirche und wurde um 600 n. Chr. Erbaut. Sie ist mit einer Größe von 17x10m eine der größten Felsenkirchen in Tigray, die man durch einen schmalen Eingang betritt. Ihre Malereien werden auf das 17. Jahrhundert datiert. Eine riesige, hohe Decke wird von 12 freistehenden Säulen getragen. Bei der Betrachtung stellt sich die Frage, wie der Architekt es nur geschafft hat, so hoch über dem Boden derart filigran zu schnitzen!

Wenige Minuten entfernt trifft man auf eine weitere Felsenkirche namens „Daniel Korkor“, ebenfalls aus dem 6. Jahrhundert. Von der Felsenkirche aus bietet sich ein herrlicher Blick auf die umgebende Landschaft. 

Der Priester Daniel Korkor liegt übrigens in der Kirche Maryam Korkor begraben. Sein Sarg steht in der Kirche und ist von einer gold bestickten Samtdecke umhüllt. Ebenso ist sein Gebetsstuhl noch erhalten.

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